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21.07.2016 | 12:30 Uhr | Julia Basic

Information zu Herpesfällen in Hessen

Betroffene Pferde sollten sofort isoliert werden


Warendorf (fn-press). In Hessen sind nach Informationen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und des Pferdesportverbandes Hessen in einem Betrieb 25 Pferde am Equinen Herpes-Virus 1 erkrankt. Mindestens zehn davon mussten leider eingeschläfert werden. Da die Krankheit nicht anzeige- oder meldepflichtig ist, stellt es sich sehr schwierig dar, gesicherte Informationen zu erhalten. Derzeit scheint die Lage stabil zu sein. Es liegen den Verbänden keine Informationen über weitere Erkrankungen vor. Dennoch empfehlen sie, bestimmte Vorsorge-Maßnahmen zu beachten. Zusätzlich bittet der Landesverband Hessen die Tierärzteschaft um Informationen, sollte es weitere betroffene Tiere geben.

Eines der erkrankten Pferde aus dem hessischen Landkreis Limburg-Weilburg war auf Grund von Koliksymptomen in die Klinik für Pferde der Justus-Liebig-Universität Gießen gebracht worden. Das Pferd wurde eingeschläfert und das Virus EHV-1 (Equines Herpesvirus 1) nachgewiesen. Sowohl im Herkunftsbestand als auch in der Universitätsklinik wurden alle notwendigen Hygienemaßnahmen sofort eingeleitet. „Equine Herpesvirusinfektionen sind nicht anzeige- oder meldepflichtig. Sie verursachen keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten“, sagte Prof. Dr. Kerstin Fey, Leiterin der Klinik für Pferde, Innere Medizin. EHV-1 ist in unserer Pferdepopulation weit verbreitet und häufig verläuft die Infektion symptomlos. „Einmal infizierte Pferde tragen das Virus aber quasi unsichtbar (‚latent‘) weiter in sich, und es besteht keine Möglichkeit, diese Pferde wieder ganz EHV-1 frei zu bekommen“, erklärt Prof. Fey.

„Unter bestimmten Umständen, wie beispielsweise Stress, kann das Virus reaktiviert werden. Es kommt zur Ausscheidung und andere Pferde können angesteckt werden“, sagt Henrike Lagershausen, Leiterin der FN-Abteilung Veterinärmedizin.
„Die Impfung ist ein wichtiger Teil der bestandshygienischen Maßnahmen, deshalb sollten alle Pferde eines Bestands geimpft sein. Ziel ist es, mit Hilfe einer flächendeckenden Impfung die Erregermenge im Betrieb zu verringern und damit auch den Infektionsdruck zu reduzieren. Die Herpesimpfung kann aber das Einzeltier nicht sicher vor dem Ausbruch der Krankheit schützen“, so Lagershausen.

Sobald ein Pferd Symptome wie etwa Fieber zeigt, sollte es sofort isoliert und ein Tierarzt verständigt werden, um eine sichere Diagnose zu erhalten. Außerdem sollte bei allen Pferden im Bestand regelmäßig Fieber gemessen werden, um weitere Erkrankungen schnell zu entdecken.

Eine generelle Empfehlung, Turniere abzusagen, gibt die FN nicht. Vielmehr sollte jeder Veranstalter die Gegebenheiten vor Ort abwägen, sich mit Tierärzten austauschen und so zu einer Entscheidung kommen. „Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben“, betont Lagershausen. „Selbst dann, wenn wir den Heimatstall nie verlassen würden, wäre ein Herpesausbruch im eigenen Stall nicht auszuschließen, falls es bei einem Pferd zur Reaktivierung des Virus kommen würde.“ Absolut unverantwortlich handele aber, wer aus einem betroffenen Betrieb mit seinem Pferd zu Veranstaltungen fahre. Ein gefährdeter Betrieb, auf dem entweder die Erkrankung ausgebrochen ist oder aber Kontakt zu einem Pferd aus einem betroffenen Betrieb bestand, sollte sich freiwillig unter Quarantäne stellen. „Jeder der mit Pferden umgeht, trägt auch eine Verantwortung anderen Pferden gegenüber“, so Lagershausen.

Wer mit seinem Pferd unterwegs ist, sollte generell auf Hygiene achten. Beispiele hierfür sind: Die Minimierung von Pferd-zu-Pferd-Kontakten und von Mensch-zu-Pferd-Kontakten, das ausschließliche Benutzen der eigenen Ausrüstung (Eimer, Halfter, Stricke, Decken, usw.), das Pferd nicht aus gemeinsamen Tränken trinken und nur aus dem eigenen Eimer fressen zu lassen, die tägliche Temperaturkontrolle.
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